Chronik Teil 1

1922 bis 1934

 

Auf Initiative des Kooperators Anton Pohlwein wurde im Jahr 1922 der Burschenverein erstmals gegründet. Er fungierte auch als erster Präses (geistiger Vorstand). Als erster Vorsitzender stand Barth Ostermaier aus Freimehring dem Verein vor.

Wie jeder andere Verein wollten auch die Burschen ihre Einheit durch eine eigene Vereinsfahne demonstrieren. Aus Ermangelung an finanziellen Mitteln mussten sie das Geld für den Kauf einer Fahne anderweitig aufbringen. Ein großes Problem war die zu der Zeit herrschende Inflation und damit die Geldentwertung. Aus diesem Grund gingen die Burschen von Haus zu Haus und sammelten in Säcken Getreide. Die Getreidespenden wurden nach dem Ende der Inflation im Jahr 1923 zur Mühle gebracht und verkauft.

Mit dem Verkaufserlös konnte die Fahne bezahlt und am 10. Mai 1923 die Fahnenweihe gefeiert werden. Als Patenverein stand der Burschenverein Kirchdorf zur Seite. Nach dem feierlichen Gottesdienst und dem Festzug durch den Ort wurde beim Kirchenwirt gefeiert.

Die Hauptbeschäftigung in den nächsten Jahren bestand darin Theaterstücke einzustudieren und aufzuführen. Die Aufführungen fanden im Gasthaus Schreiner (Kirchenwirt) entweder an Weihnachten oder Ostern statt.

Einer der Höhepunkte war die Aufführung des „Lenerl vom Königsee“ im Danninger Saal in Wasserburg. Die Darstellerin musste dem begeisterten Publikum als Zugabe ihr Lied, das sie im Stück gesungen hatte nochmal zum Besten geben.

Neben diesen Aufführungen wurden Vereinsausflüge oder Aktivitäten im Fasching gemacht. Die Vereinstrefen fanden beim Oberwirt (Postwirt) statt. Hier wurden die Aktivitäten geplant und organisiert.

Bei einem Dieser Treffen fand eine lustige Episode mit dem Kooperator Schmalzbauer statt:

Da es den Geistlichen zu dieser Zeit verboten war sich in Wirtshäusern aufzuhalten, freute sich der Kooperator schon jedes Mal auf die Treffen des Burschenvereins. Da der Pfarrer Stocker und seine Köchin ein strenges Regiment führten, waren diese Treffen für den Kooperator um 24 Uhr beendet. Einen eigenen Schlüssel bekam er auch nicht mit, so dass die Köchin jederzeit kontrollieren konnte wann der Kooperator heim gekommen war.

So kam es nun, dass es bei einem dieser Treffen für den Kooperator Schmalzbauer Zeit war aufzubrechen. Die versammelten Burschen wollten ihn jedoch nicht gehen lassen. Schmalzbauer erklärte dass es für ihn unmöglich war unbemerkt später nach Hause zu kommen. Die Burschen erwiderten, dass sie schon einen Weg finden würden, damit keiner von der Verspätung erfährt. Die Hauptsache ist, dass der Kooperator ein Fenster offen gelassen hätte. Dies war tatsächlich der Fall. So blieb der Geistliche noch etwas da.

Als es dann endlich zum Nachhausegehen war, hatten die Burschen einen raffinierten Plan ausgeheckt. Sie und der Kooperator schlichen strumpfsocken mit einer Leiter, die sie bei einem benachbarten Wirtschaftsgebäude gefunden hatten zum Pfarrhof (heute Kindergarten). Sie legten die Leiter an das Fenster des Kooperators und dieser konnte unbemerkt von der Pfarrersköchin, die ihr Zimmer direkt unter dem von Schmalzbauer hatte, in den Pfarrhof gelangen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück konnte es sich die Köchin nicht erklären, wie der Kooperator ins Haus gekommen war.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde die Situation für die Burschenvereine nicht leicht, da sie den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren. Die Burschenvereine wurden im Laufe des Jahres 1933 verboten. Unter der Leitung von Kooperator Böslmüller gaben die Burschen aus Rechtmehring mti dem Stück Lied der Mutter ihre Abschiedsvorstellung.

Dem Verbot von oben wollte man sich in Rechtmehring jedoch nicht so leicht fügen. Der neue Präses Hammer versuchte geheime Treffen des Vereins zu organisieren. Diese fanden trotz ihrer Gefährlichkeit für alle Beteiligten in den Häusern der Mitglieder statt. Nach dem der Präses Rechtmehring verlassen hatte wurde es den Burschen zu gefährlich und die Treffen wurden eingestellt.

Der Widerstand gegen das Regime herrschte jedoch weiterhin im Burschenverein. Aus diesem Grund wagte es das Vereinsmitglied Hans Hohlweger in einer Nacht und Nebel Aktion die Hitlereiche in Maitenbeth umzuschneiden. Obwohl der Verdacht auf ihn fiel und man ihm heftig zusetzte, konnte man ihm nichts nachweisen.

Nach dieser Zeit war aufgrund des beginnenden Krieges dann endgültig Schluss mit dem Burschenverein Rechtmehring.

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